Resistente Keime

Keim-Gefahr im Klinikabwasser

Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 24. April 2019

Antibiotikaresistente Bakterien verbreiten sich zunehmend. Ein wichtiger Übertragungsweg ist dabei Abwasser, haben Wissenschaftler festgestellt. Die höchste Keim-Belastung findet sich demnach im Umfeld von Krankenhäusern, noch vor Mast- und Schlachtbetrieben, Flugzeugtoiletten und Kläranlagen.

Von Lukas Kohlenbach

„Also es klingt zunächst banal, aber da, wo Antibiotika eingesetzt werden, fanden sich auch die höchsten Konzentrationen.“ Martin Exner ist Professor für Hygiene am Universitätsklinikum Bonn und Leiter des Verbundprojektes HyReKa. In diesem deutschlandweiten Projekt haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vieler verschiedener Universitäten und Institute im Detail untersucht, wie Antibiotika-resistente Keime in das Abwasser gelangen und wo sie sich besonders häufig finden.

Ricarda Schmithausen ist nicht nur Ärztin, sondern auch Agrarwissenschaftlerin und hat in dem Projekt sowohl Klinikabwässer, als auch Abwässer aus der Landwirtschaft genauer untersucht: „Einzigartig daran ist, dass viele verschiedene Bereiche untersucht worden sind. Also man hat beispielsweise in Klinikabwässern, in ländlichen Gewässersystemen, also Siedlungswasserwirtschaft sowie auch in landwirtschaftlichen Abwässern wie Mast- und Schlachtbetrieben, bei Geflügel und Schwein, sowie auch in Flugzeugtoiletten und Flughäfen und dann auch weiterhin in Kläranlagen Antibiotika-Rückstände untersucht, Antibiotika-Resistenzgene und Antiobiotika-resistente Bakterien.“

Neue Empfehlungen für Krankenhäuser

Die größten Belastungen zeigten sich dabei in Klinikabwässern. Und auch wenn die Ergebnisse des Projektes zunächst banal klingen, sie haben eine große Bedeutung. „Da zeigt sich doch sehr deutlich, dass die für den Menschen relevanten Antibiotika-resistenten Erreger tatsächlich halt auch in Abwässern von Klinikbereichen vorkommen. Das ist für uns ein sehr wichtiges Ergebnis, weil wir auch hier quantitative Unterschiede darstellen konnten und hier sehen wir auch sicher mit den höchsten Handlungsbedarf.“

Um die Konzentration der Keime zu verringern und das Ansteckungsrisiko zu senken, müssten die Badezimmer in Hochrisikobereichen umgebaut werden. Zum Beispiel könnte bei Toiletten auf verwinkelte Bereiche wie die Spülrinne unter dem Toilettenrand verzichtet werden. Außerdem könnten Waschbecken mit erhitzbaren Siphons verbaut werden, so Martin Exner. Auch die Reinigung der Sanitäranlagen muss beispielsweise durch den Einsatz von chlorhaltigen Desinfektionsmitteln verbessert werden. Auf Grundlage der Ergebnisse von HyReKa werden nun neue Empfehlungen für Krankenhäuser erarbeitet.

In den Mastbetrieben und Schlachthöfen zeigen die Untersuchungen hingegen schon erfreuliche Ergebnisse. Hier gelangen deutlich weniger Antibiotika-resistente Bakterien und Antibiotika ins Abwasser. Ricarda Schmithausen erklärt sich das so:

„Bei Schlachtbetrieben ist es so, dass sie grundsätzlich schon sehr hohe Anforderungen haben, auch eigene Fettabscheider, eigene Kleinkläranlagen, bevor dann im Prinzip das, was dann aus dem Schlachthof rauskommt, dann auch in die kommunale Kläranlage geleitet wird. Und dort ist es so, dass ja in der Landwirtschaft keine Reserveantibiotika, eingesetzt werden dürfen, die in der Humanmedizin eben zur Reserve zurückgehalten werden.“

Entwarnung für Trinkwasser

Doch braucht nun auch jedes Krankenhaus in Zukunft seine eigene Kläranlage? Bislang werden die Klinikabwässer meist nur in bestimmten Bereichen wie der Nuklearmedizin gereinigt, bevor sie in das kommunale Abwassersystem gespeist werden. „Deswegen wird sich jetzt auch die Frage stellen, ob gegebenenfalls eine zusätzliche Aufbereitung notwendig ist. Das gilt sicherlich nicht für die gesamten Krankenhausabwässer. Aber wir schließen nicht aus, dass für bestimmte Bereiche, wo bestimmungsgemäß Antibiotika zum Schutz unserer Patienten eingesetzt werden müssen, dass man da überlegen muss, ob man hier eine weitergehende Aufbereitung durchführt, um auf der anderen Seite kommunale Kläranlagen entsprechend zu entlasten.“

Für unser Trinkwasser hingegen kann Martin Exner, zumindest in Hinblick auf die Antibiotika-Rückstände, Entwarnung geben. „Also im Trinkwasserbereich gibt es nur ganz wenige Antibiotika, die allenfalls im Grundwasser vorkommen können. Das sind zum Teil sehr persistente Antibiotika-Rückstände, aber das Gros der Antibiotika wird schon vorher natürlicherweise abgebaut. Insbesondere die kritischsten Antibiotika, die für uns besonders wichtig sind, finden wir faktisch in den Antibiotika-Rückständen im Trinkwasser nicht.“

Link zum Original-Beitrag auf deutschlandfunk.de

 

 

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